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Mehrere Personen im Gespräch

Beim FSJ erwarten dich vielseitige Aufgaben

Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im BBW

Hast du Interesse an einem FSJ? Oder dich bereits dazu entschlossen, eines zu machen, doch du weißt noch nicht wo? Dann lies am besten direkt weiter!

Auf DICH, als FSJ-ler in der Blindentechnischen Grundausbildung (BTG), kommen spannende und abwechslungsreiche Aufgaben zu. Betreust du gerne Jugendliche bei deren Arbeit? Und hast keine Scheu davor, mit sehbehinderten oder blinden Menschen eng zusammen zu arbeiten und diese während ihres Jahres in der BTG zu begleiten? Dann bist du genau der/die Richtige für uns.

Damit du auch wirklich weißt, was auf dich zukommt, geben wir dir im Folgenden einen kleinen Einblick in deinen zukünftigen Tagesablauf:

Um 7:30 beginnt der Tag für die Ausbildung im Berufsbildungswerk. In der BTG mit dem Unterricht des 10-Finger-Tastschreibens. Anschließend folgt das Erlernen der Brailleschrift – diese lernst du im Laufe des Jahres automatisch selbst. Als nächstes schließt sich der PC-Unterricht an. Schließlich wird die Brailleschrift durch Lesen in Kleingruppen gefestigt. Zunächst auf Papier später auch am Braille-Display des Computers.

Dein Tagesablauf kann aber auch durch wöchentliches Einkaufen mit Teilnehmenden aus der Hauswirtschaft oder durch gelegentliche Begleitung von Jugendlichen zu Arztbesuchen oder anderen Terminen, unterbrochen werden. Außerdem übernimmst du täglich die Verteilung der Kaltverpflegung. Dies bedeutet, dass du die Wohngruppen mit Lebensmitteln aus der Großküche versorgst. Zudem organisierst und begleitest du Gruppenfahrten.

Generell ist es deine Aufgabe zu beobachten, ob alle Teilnehmenden die Inhalte auch richtig umsetzen. Du unterstützt die Ausbilder/-innen, indem du schwächere Teilnehmende einzeln betreust und anderen Jugendlichen über die Schulter schaust. Wenn du möchtest, kannst du später selbst Sequenzen unterrichten.

Dein Interesse ist geweckt?

Dann melde dich bei unserer Wohnheimleiterin Monika Greiß:

E-Mail: monika.greiss@lwl.org oder Tel.: 02921 684-160

Interview mit den FSJlerinnen 2017/18

Silja Kegel, Anna Nicol und Sarah Kleegräfe erzählen von ihren Erfahrungen im BBW.

Du bist fertig mit der Schule, möchtest nun etwas Sinnvolles tun und suchst noch eine spannende Aufgabe? Das passt perfekt, denn wir suchen aktuell FSJler und FSJlerinnen für unser Wohnheim und die Blindentechnische Grundausbildung. Damit du dir ein Bild machen kannst, was in diesem Freiwilligen Sozialen Jahr auf dich zukommt, haben unsere aktuellen FSJlerinnen ein wenig über ihr vergangenes Jahr erzählt. Wenn wir dein Interesse geweckt haben, melde dich einfach bei Monika Greiss: Monika.Greiss@lwl.org
 

Hallo zusammen, ihr macht ein FSJ im LWL-Berufsbildungswerk Soest, aber die Einrichtung ist groß. Wo genau macht ihr das FSJ denn?

SA:      Mein Name ist Sarah und ich mache mein FSJ zusammen mit Silja hier im BBW in der BTG. Das ist die  Blindentechnische Grundausbildung.

AN:      Ich bin Anna und mache mein FSJ im Wohnheim des BBW.

Geht das FSJ, wie der Name schon sagt, eigentlich tatsächlich genau ein Jahr?

SI:       Ja genau, wir sind Anfang August gestartet und das FSJ endet am 31. Juli. Bei den nächsten FSJlern läuft das ebenso.

Das FSJ kann entweder im Wohnheim oder der BTG verbracht werden. Wie unterscheidet sich eure Arbeit?

SA:      Die BTG handelt davon, die Brailleschrift und Blindentechniken zu erlernen. Viele Teilnehmer/-innen bei uns sind nicht vollblind, sondern gesetzlich blind, das bedeutet, sie haben noch einen Sehrest, der bei unter 5 % liegt. Dann unterstützen wir die Teilnehmer/-innen dabei, den allgemeinen Umgang mit dem Computer zu erlernen, und helfen ihnen, sich mit ihrer meist voranschreitenden Sehbeeinträchtigung auseinanderzusetzen.

SI:       Unser Ziel in der BTG ist es, die Teilnehmer/-innen in ihrer Selbstständigkeit zu unterstützen, damit sie allein in die Schule oder eine Ausbildung gehen können.

AN:      Im Wohnheim fange ich etwas später an zu arbeiten, meist von 12 Uhr bis halb 10, und verbringe mit den Jugendlichen ihre Freizeit oder begleite sie zu Arztbesuchen und ähnlichem. Meine Arbeit direkt mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern fängt also an, wenn sie von der Arbeit zurückkommen, und die anderen FSJler verbringen wiederum den Arbeitstag mit den Teilnehmenden.

Musstet ihr vorher eigentlich die Brailleschrift lernen?

SA:      Nein, wir konnten die Brailleschrift vorher nicht, man hat als Sehender damit ja wenige Berührungspunkte. Man könnte aber sagen, wir haben die Schrift mit den Teilnehmenden zusammen gelernt und sind darin inzwischen auch relativ sicher.

SI:       Ja, genau. Wir können die Schrift jedoch mit den Augen lesen, die Teilnehmer mit den Fingern.

Wie seid ihr nach dem Abitur denn darauf gekommen, dass ihr ein FSJ beim BBW machen könntet?

SI:       Ich bin über das Deutsche Rote Kreuz zum BBW gekommen. Ich hatte mich dort für ein FSJ beworben und die haben mir dann die Stelle beim BBW vorgeschlagen.

AN:      Ich habe im Internet recherchiert, was es in Soest für FSJ-Stellen gibt, habe die Stelle des Wohnheims entdeckt und mich dann dort beworben.

Wie genau hat das mit der Bewerbung eigentlich funktioniert?

SA:      Ich habe mich online über das DRK beworben. Einige Zeit später kam Post mit der Einladung zum Bewerbungs- und Infogespräch beim Roten Kreuz, danach gab es Einzelgespräche mit Mitarbeitern des Roten Kreuzes und die haben uns dann an die verschiedenen Einsatzstellen vermittelt. Als das gut geklappt hat, habe ich mich beim BBW vorgestellt, in meinem Fall direkt in der BTG, und durfte auch erstmal hospitieren. Dann habe ich mich beim DRK zurückgemeldet, dass mir das gut gefällt, und dann ging’s auch bald los.

Mit welchen Erwartungen seid ihr gestartet? War der Besuchstag ein Muster für alle folgenden?

SA:      Nein, auf keinen Fall. Wir arbeiten hier mit Menschen und so verschieden, wie Stimmungen sind, so verschieden sind auch die Tage. Langweilig wurde es noch nie! Konkrete Erwartungen hatte ich eigentlich gar nicht. Ich habe gehofft, ein paar interessante Erfahrungen zu sammeln und aus dem Lerntrott herauszukommen. Und die wurden auch erfüllt.

AN:      Ich hatte das große Glück, dass ich meinen Besuchstag mit der vorherigen FSJlerin verbracht habe. Da konnte ich ganz viele Fragen stellen und mir ein ganz gutes Bild machen, was mich erwartet. Besonders, da ich vorher weder etwas mit Blinden zu tun hatte, noch mit Autisten. Das hat mir sehr geholfen, mich einzufinden.

Du hast gesagt, du hast vorher nie mit Blinden zusammengearbeitet, wie ist das denn so?

AN:      Das ist ziemlich interessant, weil es so vielseitig ist. Es gibt sehr viele verschiedene Arten der Sehbehinderung und die wenigsten sind vollblind. Es ist spannend, zu versuchen, sich da hineinzuversetzen und individuelle Lösungen für alles Mögliche zu finden.

SI:       Dabei hat es auch geholfen, dass wir einen Tag mit Augenbinden verbracht haben. Damit haben wir dann gefrühstückt und uns auf dem Gelände bewegt, und das hat mir noch mal besser gezeigt, was man dann so alles kann bzw. nicht kann. Wir sind hier einfach häufig die Augen für eine andere Person.

SA:      Mich hat es wirklich beeindruckt, zu merken, wie selbstständig man auch als Blinder sein kann. Auch mit einer fast vollständigen Blindheit kann man lernen, fast ganz selbstständig zu sein. Das finde ich außergewöhnlich.

Das FSJ ist bald zu Ende, wie geht’s weiter? Hat das FSJ euch bei der Entscheidung beeinflusst?

SA:      Silja, Anna und ich möchten tatsächlich alle in dem Bereich bleiben und Soziale Arbeit studieren. Das FSJ hat uns in der Entscheidung sehr bestärkt und motiviert.
 

Vielen Dank, dass ihr uns Rede und Antwort gestanden habt. Wir wünschen euch für die Zukunft alles Gute!

Alle drei FSJlerinnen kommen aus Soest und sind zwischen 19 und 20 Jahren alt. Vor dem FSJ haben sie das Vollabitur oder Fachabitur gemacht. 

Ein Jahr voller Erfahrungen und Eindrücke

Theresa Wiersch und Christina Wagener beenden Freiwilliges Soziales Jahr.

Endlich ist das Abitur in der Tasche. Das Studentenleben lockt mit seinen Versprechungen von aufregenden Auslandsaufenthalten, spannenden Seminaren und langen Partynächten. Oder soll man doch lieber eine Ausbildung machen und sein eigenes Geld verdienen? Praktika wären auch nicht schlecht, denn eigentlich weiß man ja noch gar nicht, wo die Reise hingehen soll.

Nach dem Abitur beginnt die Qual der Wahl. Zu viele Möglichkeiten und zu wenig Zeit sich zu entscheiden. Nicht selten wird das Studium abgebrochen weil man den falschen Weg gegangen ist. Daher haben sich Theresa Wiersch und Christina Wagener dazu entschieden, im LWL-Berufsbildungswerk Soest (BBW) ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren. In ihrem Bericht geht es um Herausforderungen, Begegnungen und Eindrücke, vor allem aber um Leidenschaft, die die beiden entwickelt haben und dank derer sie nun genau wissen, wohin ihr Weg sie führen wird.

Unter Menschen zu sein und zu arbeiten macht uns glücklich. Das war uns schon während unserer Schulzeit klar. Wir helfen gerne und haben ein offenes Ohr für die alltäglichen Probleme unserer Mitmenschen. Daher stand für uns schnell fest, dass wir uns sozial engagieren wollen. Vor einem Jahr haben wir uns daher dazu entschieden ein FSJ im Berufsbildungswerk zu machen, um so einen Einblick in die vielfältigen Aufgaben zu bekommen, bevor man sich beruflich dafür entscheidet auf diesem Gebiet zu arbeiten.

Beworben haben wir uns über das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Unna, die uns dann an das BBW in Soest weiter vermittelt haben. Auch während dieser Zeit im BBW wurden wir weiter durch das DRK betreut und begleitet, zum einen durch Seminare auf denen wir uns mit anderen FSJ-lern austauschen konnten und zum anderen durch Praxisbesuche bei denen alle unsere Fragen beantwortet wurden.

Im Berufsbildungswerk wurden wir in zwei Bereiche eingeteilt.

Ein Bereich war die blindentechnische Grundausbildung (BTG), in der die Teilnehmer lernen wie man in Zukunft mit Blindheit den Alltag meistern kann.

Sie lernen das Braillealphabet zu lesen und zu schreiben, lernen jeglichen Umgang mit und um den Computer, Zehnfingertippen und außerhalb davon haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich auch in ihrer eigenen Persönlichkeit weiter zu entwickeln.

Dadurch, dass wir immer an der Seite der Teilnehmer waren, haben wir selber schnell einen Einblick in die Arbeit am Computer bekommen. Die Brailleschrift lesen und schreiben zu lernen hat uns sowohl die Arbeit erleichtert als auch ein Gefühl dafür bekommen lassen, wie es ist, mit den Fingern zu lesen, anstatt mit den Augen. Somit konnten wir den Ausbilder tatkräftig unterstützen und auch schnell eigene Förderunterrichte anbieten.

Während des Jahres haben wir nicht nur in der BTG ausgeholfen, wir durften auch mit Teilnehmern aus der Hauswirtschaft wöchentlich einkaufen fahren, haben bei Projekten wie der Apfelsaftaktion ausgeholfen und die Möglichkeit gehabt, eigene Projekte zu planen.

So sind wir im Juni mit den Teilnehmern der BTG und der berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BVB) als Abschiedsfahrt drei Tage nach Berlin gefahren.

Dort standen unter anderem ein Besuch des Deutschen Blinden-Museums und des Reichstags auf dem Programm. Es war ein Ausflug voll toller Momente, der auch mal anstrengend war, da wir mit 13 Sehbehinderten und Blinden unterwegs waren, der aber vor allem Spaß gemacht hat und allen in Erinnerung bleiben wird. Insbesondere an der Aufgabe, aufgrund des geringen Altersunterschieds die Balance zwischen gutem Freund und autoritärer Ausbilderperson zu wahren, sind wir gewachsen.

 

Der andere Bereich, in dem wir während des FSJ aktiv gewesen sind, ist das Wohnheim. Viele Jugendlichen wohnen und leben dort unter der Woche, da die Entfernung ihres Heimatortes es ihnen oftmals nicht ermöglicht, jeden Morgen zur Ausbildung anzureisen.

Hier bezog sich die Arbeit mit den Jugendlichen eher auf den Freizeitbereich. Wir hatten die Möglichkeit die Jugendlichen bei ihren täglichen Aufgaben zu unterstützen und ihnen nebenbei ein attraktives und abwechslungsreiches Freizeitangebot anzubieten. Somit haben wir beispielsweise Fußball- und Basketball- AGs oder spontane Ausflüge wie Kino- oder Kirmesbesuche angeboten.

Anders als in der BTG hatten wir hier sehr eng mit den Jugendlichen Kontakt und wurden schnell als Vertrauensperson bei Problemsituationen wahrgenommen. So konnten wir in den wöchentlichen Teamgesprächen unsere eigenen Eindrücke von den Jugendlichen einbringen. Das wurde von den Erziehern sehr geschätzt, da wir oft relevante Dinge erfuhren, die die Erzieher so noch nicht wahrgenommen hatten.

Rückblickend können wir sagen, dass wir froh sind, das FSJ gemacht zu haben. Wir haben viel gelernt im Umgang mit Menschen mit Sehbehinderung, aber auch viel über uns erfahren und unsere Persönlichkeit weiterentwickelt. Durch das FSJ wurden wir in unseren Plänen für die Zukunft bestärkt, im sozialen Bereich arbeiten zu wollen.

Wir hatten viele Freiheiten unsere Ideen und Wünsche umzusetzen und wurden vor allem als vollwertige Arbeitskollegen angesehen und akzeptiert.

Wir können es allen Unentschlossenen aber auch Denjenigen, die sich eigentlich schon sicher sind, wo die Reise hingehen soll, nachdem ihre Reife geprüft wurde, empfehlen, ein solches FSJ zu machen, denn kein Studium kann intensive praktische Erfahrungen ersetzen.